Positionierung in einem Satz — und warum dein aktueller drei Sätze zu viel hat

Positionierung

Wenn ich Solopreneure frage „Was machst du?", bekomme ich meistens drei Sätze. Manchmal vier. Wenn sie selbstkritisch sind, einen Absatz. Das ist das Problem.

Eine gute Positionierung passt in einen Satz. Wenn du mehr brauchst, hast du keine Positionierung. Du hast eine Beschreibung deiner Tätigkeit.

Der Unterschied

Tätigkeitsbeschreibung: „Ich bin Webdesignerin für kleine und mittelständische Unternehmen, vor allem aus dem Handwerk, der Gastronomie und der Beratung. Ich biete Komplettlösungen von Konzept bis Wartung, mit Fokus auf SEO und Conversion-Optimierung."

Positionierung: „Ich baue Websites für Handwerksbetriebe, die mehr Anfragen wollen als ihr Kalender verträgt."

Welche von beiden würdest du dir merken? Welche würdest du weiterempfehlen?

Warum drei Sätze nicht funktionieren

Drei Sätze bedeuten: Du hast dich nicht entschieden. Du willst alle Türen offenhalten, weil du Angst hast, ohne genug Kunden dazustehen, wenn du dich festlegst. Diese Angst ist berechtigt — aber falsch verstanden.

Eine breite Positionierung sorgt nicht für mehr Kunden. Sie sorgt für weniger gute Kunden. Weil niemand „Webdesignerin für kleine und mittelständische Unternehmen" sucht. Es gibt 50.000 davon. Aber es gibt vielleicht 3.000, die spezifisch nach „Webdesign für Handwerksbetriebe" suchen — und du wirst ihre erste Wahl.

Die Formel für den einen Satz

Drei Bausteine:

  1. Was du machst (das Ergebnis, nicht die Methode)
  2. Für wen genau (so spitz wie es eben geht)
  3. Welches messbare Problem das löst

Beispiele:

  • „Ich bringe Steuerberatungs-Kanzleien dazu, Mandanten online zu gewinnen — ohne dass sie Marketing-Personal einstellen müssen."
  • „Ich coache Elektriker-Meister, die ihren Stundensatz auf 95 € hochziehen wollen, ohne Stammkunden zu verlieren."
  • „Ich übersetze Patentschriften aus dem Englischen für Maschinenbau-Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern."

Die zwei Einwände, die jetzt kommen

„Aber ich mache doch mehr als das!"

Ja. Du machst auch noch andere Sachen. Die positionierst du nicht. Du positionierst die eine Sache, die dich auszeichnet. Alles andere ist Bonus, den deine Kunden nach dem ersten Auftrag entdecken.

Du musst nicht alles aufgeben. Du musst dich nur entscheiden, was du vorn stellst. Der Rest existiert weiter, einfach unterhalb der Schlagzeile.

„Was, wenn ich mich zu spitz positioniere?"

Eine zu spitze Positionierung ist eine, bei der du tatsächlich keine Kunden mehr findest. Das passiert seltener als gedacht. Wenn du in deiner Region 200 potenzielle Kunden hast — und 5 % davon braucht dich jährlich — sind das 10 Kunden. Wenn dein Service 8.000 € pro Auftrag kostet, sind das 80.000 € Umsatz. Reicht.

Spitz heißt nicht klein. Spitz heißt deutlich.

Übung für heute

Schreib drei Versionen deiner Positionierung. Eine Satz, je 12–20 Wörter. Stell sie nebeneinander. Frag jemanden, der dich kennt: Welche klingt am meisten nach dir und am meisten nach „ich brauch dich, weil du genau das machst"?

Du wirst spüren, welche näher dran ist. Die nimmst du. Drei Wochen lang sagst du diese Version, immer wenn jemand fragt. Falls du nach drei Wochen merkst, dass sie unbequem ist — dann ist sie wahrscheinlich gut.