Wie kalkuliere ich meinen Mindeststundensatz?
Der Mindeststundensatz ist nicht das, was du nehmen sollst. Es ist die Untergrenze, unter der du Verlust machst. Wer das nicht kennt, fliegt blind.
Die simple Rechnung
Vier Werte musst du wissen:
- Dein Netto-Jahresziel: Was willst du nach Steuern und Krankenversicherung übrig haben? Realistisch — nicht „eigentlich verdiene ich gerne 80k". Was brauchst du tatsächlich?
- Deine fixen Betriebsausgaben: Büro, Software, Steuerberater, Versicherungen, Weiterbildung, Werbung. Schreib es einmal pro Quartal zusammen, runde nach oben.
- Deine fakturierbaren Stunden pro Jahr: Nicht 40 × 52. Realistisch sind 25–30 Stunden pro Woche, 42–46 Wochen pro Jahr. Also ~1.150 bis 1.350 Stunden.
- Dein Steuersatz: Bei Selbstständigen ohne Familie und mit normalem Einkommen ~35–45 % inkl. Sozialabgaben.
Beispielrechnung
Netto-Ziel: 55.000 €. Betriebsausgaben: 12.000 €. Steuersatz: 40 %.
Brutto-Bedarf: (55.000 / 0,60) + 12.000 = 91.667 + 12.000 = 103.667 €
Bei 1.200 fakturierbaren Stunden:
Mindeststundensatz: 103.667 / 1.200 = ~86 €/Stunde
Was die Rechnung dir sagt
Wenn du heute weniger als 86 € pro Stunde nimmst, arbeitest du unter deiner Untergrenze. Du bezahlst aus eigener Tasche dafür, dass deine Kunden Beratung bekommen.
Wichtig: Das ist der Mindestsatz. Deinen *Markt-*satz solltest du um mindestens 30–50 % darüber ansetzen. Du willst nicht nur überleben — du willst auch in Urlaub fahren, Vorsorge bilden, Rücklagen für magere Monate haben.
Häufige Fehler
- Falsch geschätzte fakturierbare Stunden. Wer 40 Stunden pro Woche fakturierbar annimmt, rechnet sich arm. Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung sind nicht fakturierbar.
- Steuern ignoriert. Wenn du brutto rechnest und vergisst, dass davon ~40 % weggehen, wirst du im November blass.
- Krankheit und Urlaub nicht eingerechnet. 6 Wochen Urlaub + 1 Woche Krankheit ist normal. Das sind 7 Wochen ohne Einkommen.
Was du jetzt tust
Setz dich 30 Minuten hin und rechne deinen Mindeststundensatz aus. Mit deinen echten Zahlen, nicht den Wunschvorstellungen. Wenn das Ergebnis dich erschreckt — gut. Dann weißt du, warum du Pricing-Arbeit brauchst.