Was tun, wenn der Kunde nach Rabatt fragt?
Erste Regel: Pause. Wenn ein Kunde nach Rabatt fragt, ist deine erste Antwort drei Sekunden Schweigen. Nicht nervös, nicht lächelnd. Einfach Stille. Dann sagst du, was du gleich liest.
Verstehen, was die Frage wirklich bedeutet
„Geht da noch was am Preis?" heißt nicht zwingend „Ich kaufe nur mit Rabatt". Es ist oft ein Reflex aus Verhandlungs-Höflichkeit. Wer nicht fragt, hat das Gefühl, etwas falsch zu machen. Die Frage ist eine Geste, nicht immer eine Forderung.
Dein Job: Herausfinden, ob es ein Reflex oder ein echter Show-Stopper ist. Beides verlangt andere Antworten.
Die richtige Gegenfrage
„Was ist der Hintergrund deiner Frage?"
Ja, wirklich. Genau so. Diese eine Frage erledigt 70 % der Rabatt-Versuche. Du wirst überrascht sein, wie oft die Antwort lautet: „Naja, ich frag halt immer. Aber der Preis ist okay."
Wenn die Antwort wirklich „mein Budget reicht nur für X" ist, weißt du, dass es ein echtes Hindernis ist — und kannst weiterverhandeln.
Was du tun kannst, wenn der Rabatt-Druck echt ist
1. Den Umfang anpassen, nicht den Preis
„Mein Coaching-Paket ist auf 6 Sessions kalkuliert. Wenn das Budget knapp ist, kann ich ein 4-Sessions-Paket anbieten — proportional günstiger." Der Preis pro Session bleibt gleich. Du hast nicht rabattiert, du hast ein anderes Produkt angeboten.
2. Konditionen tauschen statt Preis senken
„Bei Vorauszahlung des Gesamthonorars kann ich 5 % nachlassen." Das ist kein Rabatt — das ist ein Cashflow-Tausch. Du bekommst Sicherheit, der Kunde Ersparnis.
Andere Tausch-Optionen: Referenz-Erlaubnis, Case Study, schnellere Entscheidung („Wenn wir bis Freitag unterzeichnen…"), längere Laufzeit, Folgeauftrag.
3. Bonus statt Preisnachlass
„Ich kann dir keinen Rabatt geben, aber ich lege noch eine zusätzliche Strategie-Session dazu." Der Kunde bekommt Mehrwert, du behältst den Preis-Anker. Bei zukünftigen Kunden zahlt sich das aus.
Was du NICHT tust
- Nicht sofort einknicken. Das signalisiert, dass dein erster Preis Pufferluft hatte. Du untergräbst dich.
- Keine willkürlichen Prozente. „10 % geht klar" ist die Aussage einer Person, die noch nicht weiß, was sie wert ist. Wenn du nachlässt, mit Begründung — sonst nicht.
- Niemals heimlich. „Ich mach dir einen Sonderpreis, sag's nicht weiter" ist Vertrauensbruch in Zeitlupe. Was wenn sie es weitersagt? Was wenn die anderen 5 Kunden, die den vollen Preis zahlten, davon hören?
Wenn der Kunde wirklich nicht kann
Manchmal ist das Budget einfach zu klein. Dann sag das ehrlich: „Für dein Budget passt mein Angebot nicht. Lass mich dir empfehlen, was bei dem Budget realistisch ist." Verweise auf den Online-Kurs, auf ein günstigeres Produkt oder auf eine Kollegin. Du verlierst diesen einen Auftrag — und gewinnst Respekt und Empfehlungen.
Die Mathematik dahinter
Wenn du auf 10 % Rabatt eingehst, musst du 10 % mehr Aufträge holen, um den gleichen Umsatz zu machen. Das ist mehr Akquise-Arbeit. Es ist fast immer effizienter, einen Kunden zu verlieren als allen 10 % nachzulassen.